10000 € Haus und Gemeinschaften - Neue Lebensformen bedingen neue Wohnformen

Neue Lebensformen bedingen neue Wohnformen

Genauso wie unser Lebensstil die Art unseres Wohnens bedingt, bestimmt unsere Wohnform unsere Lebensweise.

Die Sozialwohnungsriegel im Stil der 50-er Jahre boten ein anderes Wohnklima, als etwa die Wohnmaschinen der 70-er, eine Reihenhaussiedlung bietet ein anderes Klima als ein Einzelgehöft.
Ausschlaggebend ist dabei oft der neutrale Interaktionsraum, der für die zusammenwohnenden Parteien außerhalb der eigenen 4 Wände existiert.
Ist dieser im Wohnhochhaus gleich null, vor der Wohnungstür beginnt eine soziale Wüste, ein Gängelabyrinth, das nur zum Zweck des Zugangs geschaffen wurde und in dem kaum soziale Interaktion mit positiven Auswirkungen statt finden kann. Hinter jeder Wohnungstür sind Mithörer zu vermuten, die sich womöglich belästigt fühlen, es gibt keine Nischen in denen Nachbarschaft blühen kann. Der Raum zwischen den Wohnungen unterliegt strengster sozialer Kontrolle durch jede Partei der Anwohner. Hier wächst kaum ein Gemeinschaftsgefühl.. Gleiches gilt in abgestufter Weise für die Sozialbauten der 50 er und 60 er Jahre, aber auch für die Wohnsiedlungen des Mittelstands, deren Hausgarten allerdings etwas mehr Privatheit vermittelt und zudem den Bewohnern eine Möglichkeit der Präsentation gibt. Schrebergärten sind ein Spiegelbild dieser Wohnform und haben oft die gleichen Probleme, allerdings ohne die Abstand schaffende „Randbegrünung“. Was in allen Fällen fehlt ist eine Art Allmende, ein Gebiet das neutral ist und dessen Zustand und Funktionen von allen gemeinsam verantwortet werden, die aber auch Gleichberechtigt für alle Platz zum Leben bieten. Oft wird in den oben beschriebenen Siedlungen z.B. ein Kinderspielplatz ausgewiesen und mit Geräten bestückt, der Jugendlichen verboten wird.
Die Gründe hierfür liegen natürlich in der Nutzungsweise, die bei Jugendlichen eine andere ist als bei Kleinkindern. Jugendliche leben die kleinen Abenteuer einer Wohnsiedlung, sie probieren sowohl die Sozialstrukturen ihrer Eltern, als auch ganz andere Möglichkeiten des Zusammenseins aus. Sie brauchen einen Testraum, in dem auch mal die Fetzen fliegen dürfen, während der Spielplatz als geschützter Raum für die kleinsten reserviert und vielleicht sogar konzipiert, auf jeden Fall aber von deren Eltern verteidigt wird. Aus diesem Beispiel heraus wird wohl verständlich, wie die Belegung des zur Verfügung stehenden öffentlichen Raumes bestimmte Gruppen bevorzugt und andere ganz ausklammert. Ein Zustand der Generationenkonflikte, soziale und räumliche Enge und autoritäre Verhältnisse letztlich begünstigt. Die beteiligten Kleinfamilien igeln sich ein, verbünden sich je nach Interessenlage unter- und gegeneinander. Ein wirkliches gemeinschaftliches Sozialleben ist unter diesen Umständen ein Glücksfall.

Wie also soll das anders gehen?

Auch hier gibt es Entwürfe, die man den „Wohneinheiten“ überstülpen könnte, die ihnen aber ebenso wenig gerecht werden dürften, wie die oben beschriebenen, in Beton gegossenen Strukturen.
Dass Projekt 10000 € Haus möchte hier die in den oben benannten Beispielen vermissten räumlichen Voraussetzungen, jedoch keine Vorgaben schaffen. Eine Gesellschaft, bzw. eine Gemeinschaft ist ein lebender, oszillierender Prozess, dessen Bedürfnisse täglich neu austariert werden müssen und so eine Gemeinschaft schaffen, die allen gerecht wird. Eine dieser Voraussetzungen stellt eine - gemeinsam zu verwaltende - Gemeinschaftsfläche pro Quartier dar. Diese Fläche ist zunächst ein unstrukturierter Platz, der z.B. als Nutz- oder Erholungsgarten gestaltet wird, später bekommt er weitere Aufgaben nach den Bedürfnissen der Gemeinschaft. Optimalerweise ändert er sich mit dem Bedarf der Anwohner aller Altersgruppen und schafft räumliche und zeitliche Bereiche in denen sie ihre speziellen Bedürfnisse leben können. Dass diese Flächen kaum zum „ewigen“ Gebrauch betoniert werden können, sondern in der Mehrzahl von den Bedürftigen selbst aufgesucht werden ist der Gradmesser für den Bedarf und entspricht der Dynamik der Lebensgemeinschaft. Dazu braucht es eine Art Plenum, in dem alle Mitglieder der Gemeinschaft ein Vorschlags- und Mitspracherecht besitzen, Interessengemeinschaften sich um einen Zweck bilden und sich bei einem anderen Thema wieder neu zusammen setzen. Diese Struktur kann aber genauso wenig von oben dauerhaft festlegt werden, wie die Strukturierung des allgemeinen Geländes. Sie sind Sache einer sich entwickelnden, bestimmt auch in ihren Strukturen oszillierenden Gemeinschaft, deren Institutionen und Beschlüsse nur so lange gelten, wie sie auch von der Gemeinschaft getragen werden. Ein nicht mehr tragen von Beschlüssen der Gemeinschaft zeigt meist einen neuen Bedarf innerhalb derselben auf und sollte von allen Beteiligten im Sinn einer Neuanalyse des Bedarfs ernst genommen werden.

Das Projekt 10000€ Haus wird den Quartiersgemeinschaften ein für ihre Zwecke geeignetes Bedarfscoaching anbieten.

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