Was bewirkt das Projekt 10000 € Haus in Kommunen?

Kommunen haben heute sehr ernste, aber klar umrissene Probleme. Mit ihren Wohngeldern finanzieren sie oft eine überalterte Wohninfrastruktur, die aktuellen Anforderungen an Raumklima, Bewohnergesundheit und Energieverbrauch nicht entspricht. Dieses Geld verschwindet zudem oft in den Taschen auswärtiger Investoren und ist damit für die heimische Wirtschaft verloren. Die Kommune und ihre Bevölkerung wird dadurch finanziell ausgeblutet. Um diesen Sog an Geld (=Wirtschaftskraft) zu stoppen oder gar umzukehren, empfehle ich das Sozialprojekt 10000 € Haus auf die lokale Situation zu adaptieren. Zusätzlich zu kommunalen oder gemeinnützigen Werkstätten können bei der Produktion lokale Handwerker eingebunden werden, die gemeinsam eine Serienfertigung dieses Haustyps auch für den freien Markt produzieren. Innerhalb des Sozialprojekts können sie mit den zukünftigen Besitzern als Praktikanten rechnen und aus diesen heraus die Fähigsten auch auf Dauer einstellen.
Durch den geringen Energieverbrauch des fertigen Hauses, können die Bewohner auch mit Hilfe eines kleinen Einkommens am Ort überleben und die rare Erwerbsarbeit vor Ort kann auf mehr Köpfe, bzw. Schultern verteilt werden. Dies sorgt für kleine aber solide Einkommen und damit ein Plus an gesicherten Existenzen, die unabhängig von Behörden eigene Lebensperspektiven verwirlklichen können. Wenn nun in einem weiteren Schritt die heimische Wirtschaft kleinteiliger wird und an die Bedürfnisse vorhandener Kunden angepasste Produkte hervorbringt, wird sie auch erfolgreich agieren können. All dies zwar auf einem finanziell niedrigen Niveau, dafür aber mit einem schnellen Geldfluss, der einen lokalen Kreislauf bildet und für das Wohlergehen von Kleinverdienern wesentlicher ist, als die Höhe umgewälzter, bzw. aus dem Ort abgeschöpfter Geldmengen.
Kommunen erreichen ihre wirtschaftliche Gesundung in dem Maß, in dem sie eigene wirtschaftliche Kreisläufe etablieren. Vor Ort produzierte Produkte sollten im Verkauf Vorrang haben vor Importen. Produkte des täglichen Lebens sollen regional und lokal angebaut und vermarktet werden. Aus jedem Warenkreislauf wird immer Kapital abgeschöpft, wichtig zu beachten ist wo dies geschieht. Zu etablierende größere Kreisläufe sollten dauerhaft auch eine lokale Kapitalabschöpfung enthaltenen, die der Kommune und ihren Bewohnern zugute kommt. Die Bewohner, die dank ihres 10000 € Hauses niedrige Energiekosten haben, Kosten die klassischerweise für die Kommune verloren sind, können ihr weniges Geld vor Ort ausgeben, womit sie eine lebenswerte Infrastruktur sichern.
Jeder Euro, der vor Ort ausgegeben wird, kann wieder vor Ort ausgegeben werden und etabliert dadurch heimische Wertschöpfung. Jeder Euro, der in die Kassen ortsfremder Investoren und Aktionäre geht, verschlechtert die Lage der heimischen Wirtschaft. Man könnte diese Politik kommunalen Merkantilismus nennen. Analog dazu kann man die wirtschaftlichen Zusammenhänge des Europa der Renaissance studieren, wo wirtschaftliche Zentren im HrRdN, die Handelsimperien der Fugger und Welser, die Hanse und genauso die Stadtstaaten Vendig und Genua, sowie die norditalienischen Bankenzentren eine Art globalisierten Markt betrieben, der "klassische" Königreiche in Abhängigkeit und Ruin trieb. Das deutsche Kaisertum erhielt dadurch den machtpolitischen Todesstoß, die Franzosen schotteten sich wirtschaftlich ab und erreichten eine starke Binnenblüte, mit deren Wirtschaftskraft sie wie zuvor die Niederländer ihr Kolonialreich errichteten. Die Engländer verfolgten die Strategie, Spaniern und Portugiesen ihren zusammengeraubten Reichtum abzujagen und mit den von ihnen abhängig gemachten Gebieten monopolistischen Handel zu treiben und zu diesem Zweck immer mehr Gebiete der Welt militärisch zu erobern. Da Kommunen weder Monopole aufbauen können, noch andere Kommunen erobern, bleibt ihnen aus der Fülle der damals entwickelten Maßnahmen nur eine Art Merkantilismus, der eine eigene Wirtschaft aufbaut und schützt, den dadurch erwirtschafteten Reichtum aber nicht in Weltmachtphantasien steckt, sondern in die kontinuierliche und nachhaltige Verbesserung lokaler Infrastruktur, die Erhöhung kultureller Attraktivität und die Schaffung gesunder Lebensumgebungen.
Der allgemeine Maßstab für das Wohlergehen einer Kommune sind wachsende bzw. fallende Einwohnerzahlen. Hier lohnt sich ein genauerer Blick. Wächst meine Stadt deshalb, weil Bildungs- und Erwerbschancen im Umland sinken, oder weil sie in meiner Stadt verbessert werden? Große Städte in Deutschland gewinnen zur Zeit mehr Einwohner, weil die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der umliegenden Gemeinden durch Geldabfluß geschwächt wird. Leider vergessen diese Städte deshalb oft zu investieren und werden irgendwann selbst Opfer dieses buy out.
Eine sinnvolle Investition wäre die Sanierung der Lebensverhältnisse der Menschen die unter der wirtschaftlichen Ausdünnung ihrer Erwerbsumwelt leiden, gepaart mit der Offenheit für neue Ideen und Chancen für sinnvolle Start Ups.
Die Kommune, die ihre Wirtschaftsförderung den Geschäftsbanken überlässt hat schon verloren, da Banken kein Solidaritätsprinzip kennen, sondern gnadenlos opportunistisch Kleinbetriebe platt machen, wenn diese in ihre Abhängigkeit geraten sind. Wer kein Geld hat, bekommt keinen Kredit und wer kreditwürdig ist bestimmen Banken am liebsten selbst. Da diese Bestimmungen weder wachstumsorientiert noch objektiv umgesetzt werden, ist in diesem Umfeld Vetternwirtschaft, Seilschaftereien und anderen mafiösen Machenschaften Tür und Tor geöffnet. Ehrliche Gewerbetreibende fallen durchs Raster und kümmern vor sich hin, da sie als Unternehmernaturen sich zum passiven Befehlsempfänger, wie er heute immer noch in beinahe jedem Bewerbergespräch vorausgesetzt wird, nicht taugen.
In einem Land das von dieser Grundeinstellung Stück für Stück zerstört wird, können einzelne Kommunen eine Gegenbewegung auslösen, können durch entsprechende Politik die Solidarität und das Glück ihrer Bevölkerung gewinnen, dadurch politische Handlungsspielräume erweitern und zu kultureller, politischer und wirtschaftlicher Blüte gelangen. Egal wie die Voraussetzungen im Moment sind, kaum eine Kommune in Deutschland nutzt diese Chance. So hat auch ein Dorf die Chance sich über mehrere Generationen zu einem wichtigen Zentrum zu entwickeln, das Impulse in die Umgebung sendet .Dies geht nicht über Kungeln mit den jetztigen Mächtigen, sondern nur durch das Erkennen und Entwickeln der eigenen Stärken. Dies sollte die kommunale Politik als ihren Auftrag begreifen, nicht die heute reihum gängige Geschaftlhuberei.

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